HeRaS Verlag

 

 

 

 

 

Am 12. Januar 1929 als zweites Kind einer Arbeiterfamilie in Berlin geboren. Lyriker, Prosaautor, Nachdichter, Publizist. Nach dem Abitur 1947 Neulehrer. Studierte Germanistik in Berlin und Leipzig, promovierte zum Dr. phil. Er arbeitete im kulturellen Bereich u.a. als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Schriftstellerverbandes, als stellvertretender Chefredakteur der Neuen Deutschen Literatur (NDL), als Leiter eines Literaturarchivs der Akademie der Künste. Lebt in Schöneiche bei Berlin.  

 

Prägenden Einfluss auf ihn und sein Schaffen hatten intensive Begegnungen mit China und seiner Kultur (!956-58; 1991-93), sowie Studienreisen nach Taiwan und Südkorea. Als engagierter Umweltschützer und Autor gehört Erhard Scherner zu den Mitbegründern der von Reimar Gilsenbach initiierten, von Lia Pirskawetz und Jutta Schlott fortgesetzten „Brodowiner Gespräche“.

 


Bei uns erschienen:

 Konstantin Mugele ...erzählt 

 Fortuna sei langweilig, sagt Mugele manchmal. Da irrt er. Es war doch ein grüner rotschnabliger Papagei, der ihm das Leben gerettet hat. Und dem Sohn. Überhaupt: In diesem geliebten, verruchten Jahrhundert braucht man Glück.

Doch was Mugele sich nicht gewünscht hat, war eingetroffen. Zustände ähnlich der Jugendzeit kehrten zurück. Unbarmherzig. Da war ihm nichts vorzumachen. Von wegen: »Die Welt zu ihrem Glicke, dreht sie sich nicht zerricke« – ein Sprüchlein für Kinder.

Ja erkläre mal einem zugereisten Steuerbeamten aus Köln, was 1947 im Prenzlauer Berg  ein »Schulhelfer« war. Der ist ein freundlicher Mann, rheinisch-beschwingt, rettet Mugele mit »Referendar« in die mögliche Spalte. Aber mit Solidarität gegenüber einem »Sozialistischen Bruderland«, sei´s als Verlagsredakteur, auch ausgeborgt beim Rundfunk, weiß er nichts anzufangen. »Entwicklungshilfe für China« kommt dem Beamten nicht in den Sinn. »Was soll sich dort entwickelt haben?! Weiß man doch.«

Mugele, nun missioniere nicht. Mag immer googeln, wen Neugier plagt. Wahrheit stehe für sich.  

 

 Es verging wohl kein Tag auf Pekings Straßen, an dem man ihn nicht LaoWai gerufen hätte. Doch das Wort, von den Begriffen für Ausländer, der vielleicht schillerndste, fand sich in keinem der berühmten Wörterbücher. Offenbar war es urplötzlich und erst vor abzählbar wenigen Jahren aufgetaucht. War nun oller Westler gemeint? Tollpatsch? Oder beides? - Die Verbindung der zwei Schriftzeichen alt/ehrwürdig und draußen erwies sich als unübersetzbar.

Aber das Wort war nicht zu überhören. Und manchmal wies eine Mutter ihr Kind zurecht: "Das sagt man nicht! Und nicht so laut!" Er trug es bald missmutig, bald heiter. War er nicht drinnen im Mittelreich auch immer draußen?! - So nahm er die Benennung einfach an.

 


Weitere Werke von Erhard Scherner:

Der Krieg gegen die Vögel (Anthologie Staatsmorast. 21 Autoren zur Umwelt, Lübeck 1991)

 

Geschichten vom LaoWai. Innenansichten aus China (Berlin 1997)

 

Ab durch die Mitte. Notizen für Cris (zehnteilige China-Reportage1998/99).

 

Mein liebstes Stück Garten. Märkische Geschichten (2003);

 

Entwurf eines Spiegelbilds. Gedichte (2004 / 2006) 

 

Nachdichtungen von Du Fu, Bai Juyi, Li Bai, Feng Zhi, Qi Baishi, Emi Siao, Zhu De u.a. erfolgten in Zusammenarbeit mit der Sinologin Dr. Helga Scherner. Gleiches gilt für die Übertragung der Lyrik Ho chi Minhs: Gefängnistagebuch. Gedichte (Berlin 1976) wie der Gedichte von Luo Men und Ya Xuan in der Anthologie Phönixbaum. Moderne taiwanesische Lyrik (Bochum 2000).

 

 

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